Bildungswissenschaft

Die Bildung der Bildung

Edition, Fotografie, Text

Die Bildung der Bildung | auf#06 – Medium für Zwischenfragen | Zeppelin Universität | Friedrichshafen | Erscheinungstermin: 15.09.2014

Christof Salzmann zieht in seinem künstlerischen Beitrag zur Ausgabe »auf#06 – Medium für Zwischenfragen« eine Parallele zum künstlerischen Gestalten und zielt mit seinem exemplarischen, bildnerischen Prozess auf die Beziehung von Theorie- und Erfahrungswissen ab. Das »Medium für Zwischenfragen«, herausgegeben von der Zeppelin Universität, erscheint einmal jährlich als monothematisches Wissensmagazin mit Originalbeiträgen von Wissenschaftlern der Universität.

Die Bildung der Bildung | auf#06 | Medium für Zwischenfragen

Als Bildender Künstler wählt Salzmann den Ansatz über das Bild. Durch strenge Trennung von Text- und Bildebene werden im Medium unterschiedliche Qualitäten sichtbar. Der Text wird auf sich selbst zurückgeworfen, die Bilder verweigern sich in ihrer eigensinningen Komplexität eindimensionaler Deutungen.

Seine monochromen Bildschöpfungen in S/W-Ästhetik generiert Salzmann am Fotokopiergerät. An der Kopiermaschine, die im Bildungskontext zur Vervielfältigung von Theorie verwendet wird, sprengt er das gängige Magazinformat und transformiert die Publikation in einen Stapel Kopien, wie sie seit Generationen in Lehrsälen großzügig verteilt werden.

Ob Büropflanze, Radiergummi oder Papierklammer – mit der Wahl der Bildgegenstände wird der Bildungsumgebung Beachtung verliehen. Die künstlerische Wissensarchäologie bringt auch vermeintlich Nebensächliches auf den Kopierer und erzeugt ein schattenhaftes Nachbild. Selbst Text wird zum Bild.

Das Ziel des Kopierens, die identische Form, wird durch ein anarchisches Spiel mit der Maschine und mit Poesie und Humor ausgehebelt. Sein vielfältiges Experimentieren lotet die Möglichkeiten und Zufallsoptionen aus. Die provozierte Unberechenbarkeit lässt überraschende Formen entstehen. Improvisierende und lenkende Eingriffe führen zu Bildern, deren Kopierästhetik von hypnotischer Schönheit ist.

Auf diese Weise emanzipiert sich jede Kopie vom Ausgangsmaterial und wird zum Original. Erst das variantenreiche Kopieren, Imitieren, Zitieren und Einfall und das Imperfekte in der Nachahmung ermöglichen eine autonome Aneignung und bilden Individualität aus.

 Ulrike Shepherd | Kuratorin | artsprogram Zeppelin Universität | Friedrichshafen